PTZ-Kameras für Live-Produktionen: Auswahl, Anschluss und Presets
Wann eine ferngesteuerte Kamera sinnvoll ist, was Sie vor dem Kauf vergleichen sollten, wie Sie Bild, Strom und Steuerung anschließen und wie Sie Presets planen, die eine Person allein bedienen kann.
On this page
Eine PTZ-Kamera lässt sich ferngesteuert nach links und rechts schwenken, nach oben und unten neigen und ein- und auszoomen. Eine einzige Person am Pult kann mehrere davon bedienen, und deshalb findet man sie in Kirchen, Hörsälen, Ratssälen und Konferenzräumen, in denen niemand hinter einem Stativ steht. Dieser Ratgeber zeigt, worauf Sie bei der Auswahl achten, wie Sie Bild, Strom und Steuerung anschließen und wie Sie Presets so planen, dass ein einzelner Operator eine saubere Show fahren kann.
Wann eine PTZ-Kamera sinnvoll ist
PTZ-Kameras spielen ihre Stärken aus, wenn die benötigten Positionen vorhersehbar sind und sich von Veranstaltung zu Veranstaltung wiederholen. Kanzel, Rednerpult, Chor, Bühne und eine Totale des Raums lassen sich jeweils als Preset speichern und mit einer Taste abrufen.
Weniger geeignet sind sie für schnelle, unvorhersehbare Action, wie sie im Sport vorkommt. Ein Fußballspiel oder eine Tanzaufführung braucht einen Menschen, der dem Geschehen durchgehend folgt, und ein ferngesteuerter Kopf wirkt immer einen Moment zu spät. Auto-Tracking-Modi helfen bei einem einzelnen Redner, der herumläuft, verlieren eine Person in einer Menge aber trotzdem.
Überlegen Sie, wer die Show bedienen wird. Haben Sie einen Ehrenamtlichen und vier Positionen abzudecken, ist PTZ die praktische Lösung. Haben Sie drei geschulte Kameraleute, geben herkömmliche Kameras auf Stativen ihnen mehr Freiheit.
Was Sie bei der Auswahl vergleichen sollten
| Merkmal | Was es für Sie bedeutet | Was Sie prüfen sollten |
|---|---|---|
| Optischer Zoombereich | Wie eng Ihre Einstellung von hinten im Raum wird | Ein vom Montagepunkt aus kadriertes Gesicht |
| Videoausgänge | HDMI, SDI, Netzwerkvideo oder mehrere gleichzeitig | Die Eingänge Ihres Bildmischers oder Ihrer Capture-Karte |
| Netzwerkvideo | NDI HX, SRT oder RTMP direkt aus der Kamera | Ob Sie ohne Computer streamen möchten |
| Steuerprotokolle | VISCA über seriell oder IP, ONVIF, Herstellerprotokolle | Dass Ihr Controller oder Ihre Software es spricht |
| Stromversorgung | Netzteil oder Power over Ethernet | Eine Steckdose oder ein PoE-Port am Montagepunkt |
| Leistung bei wenig Licht | Wie sauber das Bild in einem dunklen Raum bleibt | Ihr echtes Licht während Gottesdienst oder Vortrag |
Für Sie ist der optische Zoom wichtiger als die Auflösung. Eine Kamera mit optischem Zoom behält die Details, wenn Sie einen Redner aus zwanzig Metern Entfernung kadrieren, während ein Digitalzoom nur Pixel vergrößert. Ermitteln Sie die Entfernung vom Montagepunkt bis zum entferntesten Motiv und gleichen Sie den Zoombereich damit ab.
Achten Sie auf das Verhalten bei wenig Licht. Viele Räume, in denen PTZ-Kameras hängen, sind dunkler, als sie dem Auge erscheinen, und ein kleiner Sensor rauscht genau unter diesen Bedingungen. Testen Sie eine Kamera nach Möglichkeit in Ihrem eigenen Raum, bevor Sie mehrere Exemplare desselben Modells kaufen.
Bild, Strom und Steuerung anschließen
Eine PTZ-Kamera braucht in der Regel drei Dinge: einen Weg für das Bild, Strom und einen Weg für die Steuerbefehle. Wie Sie das bereitstellen, hängt von ihren Ausgängen ab.
HDMI oder SDI für das Bild. Diese Wege bieten die geringste Verzögerung und funktionieren mit jedem Bildmischer und jeder Capture-Karte. Für große Entfernungen ist SDI das sicherere Kabel, weil es verriegelt und viel weiter reicht als HDMI.
Netzwerk für das Bild. Kameras mit NDI HX, SRT oder RTMP schicken ihr Bild über ein Netzwerkkabel. Damit sparen Sie sich ein Videokabel bis unter die Decke, nehmen aber etwas Verzögerung in Kauf und belasten Ihr Netzwerk. Planen Sie dafür also ein kabelgebundenes Gigabit-Netzwerk ein.
Power over Ethernet. Viele PTZ-Kameras beziehen Strom und Netzwerk über ein einziges Kabel von einem PoE-Switch. Prüfen Sie, ob der Switch pro Port genug Leistung für dieses Modell liefert, denn Motoren und Heizungen ziehen mehr als ein typisches Telefon oder ein Access Point.
Steuerung. VISCA ist die verbreitetste Steuersprache. In älteren Installationen läuft es über ein serielles Kabel, in neueren über das Netzwerk. ONVIF und Herstellerprotokolle sind ebenfalls üblich. Was Sie auch wählen, stellen Sie sicher, dass Ihr Joystick-Controller oder Ihre Software dasselbe Protokoll spricht wie Ihre Kamera.
Geben Sie jeder Kamera eine feste Netzwerkadresse. Ändert sich eine Adresse zwischen Probe und Show, verliert Ihr Controller die Kamera im ungünstigsten Moment.
Presets planen, die in der Sendung gut aussehen
Ein Preset speichert Schwenk, Neigung, Zoom und oft auch Fokus und Belichtung. Gute Presets machen aus einer ferngesteuerten Kamera ein Produktionswerkzeug.
- Gehen Sie Ihre Veranstaltung durch und listen Sie die Einstellungen auf, die Sie wirklich brauchen, in der Reihenfolge, in der Sie sie brauchen.
- Kadrieren Sie jede Einstellung mit etwas Kopfraum und Platz in Blickrichtung der Person, wie es ein Kameramann tun würde.
- Speichern Sie die Einstellungen in einer logischen Reihenfolge, sodass das erste Preset immer die Totale ist und die Nummern dem Raum von links nach rechts folgen.
- Legen Sie für jedes Preset die Abrufgeschwindigkeit fest. Eine langsame, gleichmäßige Bewegung kann man auf Sendung zeigen, ein schneller Sprung sollte nur passieren, während die Kamera nicht auf Sendung ist.
- Schreiben Sie die Preset-Liste mit einem einwortigen Namen für jede Position neben den Controller.
- Rufen Sie zu Beginn der Probe jedes Preset einmal ab, denn Menschen und Mikrofonständer stehen von Veranstaltung zu Veranstaltung woanders.
Die nützlichste Gewohnheit überhaupt: Bewegen Sie eine Kamera nur, wenn sie nicht auf Sendung ist. Schneiden Sie auf eine andere Kamera, rufen Sie das Preset ab, warten Sie, bis sie zur Ruhe kommt, und schneiden Sie dann zurück. Die Zuschauer sehen die Kamera nie bei der Suche nach ihrer Position.
Controller und Automatisierung
Ein Hardware-Joystick-Controller ermöglicht weiche manuelle Bewegungen und Presets auf Knopfdruck, und er funktioniert weiter, wenn ein Computer einfriert. Software-Steuerung ist günstiger und legt die Presets direkt neben Ihren Bildmischer: vMix hat eine eingebaute PTZ-Steuerung, und OBS Studio kann viele PTZ-Kameras über Plugins steuern.
Tastenpanels wie ein Stream Deck können, gesteuert von einer Steuersoftware, Presets als beschriftete Tasten speichern und mit Szenenwechseln kombinieren. Eine einzige Taste kann auf eine Ersatzkamera schalten, ein Preset auf der Hauptkamera abrufen und zurückschneiden, sobald sie bereit ist. Der Ratgeber zum Automatisieren Ihrer Produktion mit Hotkeys und Tastenpanels zeigt, wie Sie solche Sequenzen aufbauen.
Tally-Lichter an der Kamera zeigen Ihren Rednern, welche Kamera live ist. Viele PTZ-Kameras zeigen Tally an, wenn der Bildmischer oder die Steuersoftware ihnen mitteilt, welche Quelle auf Sendung ist.
Von einer PTZ-Kamera zu DCAST streamen
DCAST empfängt das Bild hinter Ihrem Bildmischer oder direkt von der Kamera, wenn die Kamera selbst streamen kann. Wenn Sie einen Stream anlegen, wählen Sie, wie das Video ankommt: per RTMP, SRT oder WHIP von einem Encoder, über eine HLS-Adresse, als Datei oder von der Kamera eines Browsers oder Smartphones.
Eine einzelne PTZ-Kamera mit eingebautem RTMP- oder SRT-Encoder kann ohne Computer direkt an einen DCAST-Stream senden. Kopieren Sie Serveradresse und Streamschlüssel von der Stream-Seite in die Streaming-Einstellungen der Kamera, starten Sie den Stream in der Kamera, und der Tab „Vorschau“ bei DCAST zeigt das Bild innerhalb weniger Sekunden.
In einem Raum mit mehreren PTZ-Kameras speisen die Kameras Ihren Bildmischer oder Ihre Software, und diese schickt ein fertiges Programm an DCAST. So können Sie zwischen Presets schneiden, während Ihre Zuschauer eine durchgehende Übertragung sehen.
Ein Gottesdienst oder eine Vorlesung, die jede Woche stattfindet, wird bei DCAST außerdem automatisch aufgezeichnet, solange der Stream im Standardmodus bleibt. Die Wiedergabe steht nach der Veranstaltung also unter demselben Zuschauerlink bereit. Die Einstellungen eines neuen Streams finden Sie unter Ihren ersten Livestream anlegen.
Häufig gestellte Fragen
Brauchen PTZ-Kameras einen Computer zum Streamen?
Nicht immer. Viele Modelle mit eingebautem RTMP- oder SRT-Encoder können direkt an eine Plattform streamen. Für mehrere Kameras brauchen Sie trotzdem einen Bildmischer oder eine Software, die auswählt, welches Bild hinausgeht.
Kann ich eine PTZ-Kamera über das Netzwerkkabel mit Strom versorgen?
Viele Modelle unterstützen Power over Ethernet. Prüfen Sie die Leistungsklasse, die die Kamera braucht, und stellen Sie sicher, dass Ihr Switch sie an jedem verwendeten Port liefert.
Was ist VISCA?
Ein Steuerprotokoll, mit dem man Kameras bewegt und Presets abruft. Es begann auf seriellen Kabeln und wird heute auch in IP-Netzwerken breit eingesetzt.
Ist Auto-Tracking gut genug, um einen Operator zu ersetzen?
Bei einem einzelnen Redner auf einer übersichtlichen Bühne oft ja. In einem vollen Raum oder wenn mehrere Personen sprechen, ist es sicherer, wenn jemand die Presets von Hand abruft.
dcast Team
Professional video streaming experts helping creators succeed.
Ähnliche Artikel
Starten Sie noch heute Ihr Video-Business
Laden Sie Videos hoch, streamen und verkaufen Sie sie. Starten Sie mit dem kostenlosen Tarif – ohne Kreditkarte.
Kostenlos starten



